Das Factoring gehört in den Bereich der Finanzdienstleistungen und ist eine spezielle Form der Unternehmensfinanzierung. Der Unternehmer tritt dabei offene Forderungen an seine Kunden an den Factor ab und erhält von diesem den Nominalwert abzüglich bestimmter Abschläge ausgezahlt. Das hat den Vorteil, dass eine unternehmerische Tätigkeit durch Kredite nicht vorfinanziert werden muss, und ist daher bei Unternehmenserweiterungen und Existenzgründungen besonders gut geeignet.
Das Factoring-Prinzip
Der Factor kauft die Forderungen gegen die Abnehmer (Debitoren) des Unternehmers regresslos ab, das bedeutet, der Unternehmer verfügt über finanzielle Planungssicherheit. Er ist prinzipiell nicht verpflichtet, für Zahlungsausfälle zu haften. Dabei wird der Nominalwert der Forderungen um einen Zinsgewinn für den Factor sowie Sicherheitseinbehalte gemindert. Diese müssen gebildet werden, weil es im gewöhnlichen Geschäftsverkehr niemals zu einer vollständigen Begleichung aller Forderungen kommt. In vielen Branchen rechnet man mit gewöhnlichen Zahlungsausfällen von ca. 15 – 20 Prozent auf alle abgeschlossenen Verträge, die durch Kündigungen, finanzielle Schwierigkeiten von Kunden, Zahlungsunwilligkeit oder Reklamationen entstehen.
Hier ergibt sich für den Factoring-Vertrag der höchste Gestaltungsanspruch, denn unter der Voraussetzung, dass der Kauf der Forderungen regresslos erfolgt, übernimmt der Factor auch das finanzielle Risiko bei einer außergewöhnlich hohen Reklamationsquote. Es ist daher denkbar, in die entsprechenden Verträge Sicherheiten für den Factor einzubauen, die in Sonderfällen – bei Fahrlässigkeit des Unternehmers – den Regress doch zulassen. Ein weiterer Punkt ist die Rechtssicherheit von abgeschlossenen Verträgen. Ein Factor kann das Risiko von Zahlungsausfällen nur übernehmen, wenn er über einklagbare Forderungen verfügt. Sollte das der Fall sein, wird er seine Ansprüche gegen die Kunden des Unternehmens durchsetzen. Factoring wird zum Beispiel von Finanzdienstleistern betrieben, die ebenfalls ein Forderungsmanagement betreiben und daher über Verfahren verfügen, um mit ausstehenden Forderungen umzugehen. Weitere Infos auf www.bfs-finance.de
Ein weiteres Risiko ergibt sich für den Factor und den Unternehmer in der Unkalkulierbarkeit der tatsächlichen Zahlungsausfälle. Der Sicherheitseinbehalt des Factors kann auch aus Sicht des Unternehmers zu hoch ausfallen. Hier sind Regelungen zu treffen, die das tatsächliche Begleichen von Zahlungen für den Unternehmer nachvollziehbar machen und für die rasche abschließende Saldierung der Verträge sorgen. Factoring ist daher bei Unternehmenserweiterungen wesentlich einfacher zu gestalten, da der Unternehmer über belastbare Zahlen seines Geschäftes verfügt und künftige Vorhaben sehr gut zu kalkulieren sind. Bei Existenzgründungen ist Factoring aus Sicht des Unternehmers der ideale Weg, wenn Finanzmittel zur Vorfinanzierung nicht zu organisieren sind, aus Sicht des Factors jedoch riskanter.
Factoring-Dienstleistungen und Vorteile beider Seiten
Neben dem Vorteil der Vorfinanzierung bringt das Factoring dem Unternehmer den wesentlichen Zugewinn, dass der Factor die Abrechnung von Zahlungseingängen und gegebenenfalls das Forderungsmanagement übernimmt, ein Bereich, in welchem sich einige Unternehmer schwertun. Das bedeutet für den Unternehmer eine erhebliche Entlastung für den gewöhnlichen Geschäftsverkehr. In vielen Geschäften setzen sich Zahlungen aus sehr vielen Einzelpositionen zusammen, die einen erheblichen Aufwand bedeuten. Hinzu kommen die Kontrolle von Zahlungseingängen und ein fristgemäßes Mahnwesen bei Zahlungsverzügen. Der Factor verfügt als Finanzdienstleister gewöhnlich über eine Struktur, in welche ein neues Unternehmen mit seinen Zahlungsströmen relativ unproblematisch zu implementieren ist. Für den Factor ergeben sich ebenfalls erhebliche Vorteile neben seinem Zinsgewinn. Er profitiert von einer Geldanlage, die mit dem Betrieb eines Unternehmens untersetzt ist, zu dem eine starke Struktur und technisches sowie unternehmerisches Know-how erforderlich sind. Beides muss der Factor nicht aufbringen, um am Unternehmensgewinn zu partizipieren. Wenn die Kommunikation zwischen Factor und Unternehmen gut organisiert ist, können beide durch dieses Modell ein schnelles Wachstum initiieren.